Wer kennt sie nicht,
die mehr oder weniger lästigen Werbebriefe, die Tag für Tag im heimischen
Briefkasten landen? Die überwiegende Mehrzahl dieser sogenannten „Mailings"
schafft es meist gar nicht erst bis in die Wohnung, sondern lediglich in die
nächste Papiertonne. Andere hingegen werden noch kurz überflogen und dann
entsorgt, eine sehr kleine Anzahl von Werbebriefen wird vom potentiellen Kunden
jedoch wahrgenommen, gelesen und für eine eventuell spätere Kaufentscheidung im
Gedächtnis behalten.
Der Frage nach den Gründen
für den Erfolg -oder Misserfolg- dieser Direktmarketing-Maßnahmen gingen am 14.
Oktober über 70 Besucher beim Clubabend des Marketing- Club Siegen nach. Eckart
Stender, Leiter des Direkt Marketing Center der Deutschen Post AG in Essen,
führte durch einen informativen und spannenden Abend, der den interessierten
Besuchern die komplexen Entscheidungsvorgänge im Gehirn von Konsumenten bei der
Beurteilung von Direktmarketing-Maßnahmen näher brachte.
Zunächst muss man sich
einmal vergegenwärtigen, dass jeder Mensch täglich mit über 7.000 Werbeimpulsen
regelrecht „bombardiert" wird. Dies kann eine Anzeige in der Tageszeitung, eine
Plakatwerbung, ein Internet-Banner, ein Radio-Spot oder eben ein Werbebrief im
heimischen Briefkasten sein, der Phantasie der werbetreibenden Industrie sind im
modernen Marketing-Mix heutzutage keine Grenzen mehr gesetzt. Da ist es im
Grunde wenig verwunderlich, dass 98 % dieser Werbeimpulse beim Konsumenten
wirkungslos verpuffen, da das menschliche Gehirn bei einer Informationsflut
diesen Ausmaßes schlichtweg überfordert ist.
Doch warum kommen dann 2 %
der Werbebotschaften beim Adressaten und somit beim potentiellen Kunden an? Dies
hängt natürlich zunächst einmal von seiner persönlichen Präferenzstruktur ab.
Signalisiert der Werbebrief schon auf den ersten Blick ein für den Adressaten
interessantes Thema, wird sich dieser kurz damit befassen, wenn das „Mailing"
bestimmte Anforderungen hinsichtlich Aufbau und Gestaltung erfüllt. Die moderne
Werbepsychologie bietet hier wertvolle Hilfestellungen, die der
Direktmarketing-Spezialist den Besuchern des Marketing-Clubs in unterhaltsamer
Weise näherbrachte.
Im Idealfall ist der Aufbau
eines Werbebriefes nämlich „kurz, klar und bildhaft", die Gestaltung sollte
zwangsläufig zur Marke und zu den Produkten des werbetreibenden Unternehmen
passen. Ansonsten würde der potentielle Kunde die Werbebotschaft weder lesen
noch wahrnehmen. „In der Regel laufen diese komplexen Entscheidungsvorgänge im
Gehirn des Konsumenten innerhalb von nur 20 Sekunden ab", so Eckart Stender.
Wenig Zeit also für das
werbetreibende Unternehmen, sich und seine Produkte entsprechend „in Szene zu
setzen". Umso wichtiger ist daher eine gewisse Einzigartigkeit des „Mailings",
um sich von der Masse der Werbesendungen und somit vom Wettbewerb abzuheben.
Hier nutzte der Referent die Möglichkeit der Präsentation zahlreicher mehr oder
weniger gelungener Praxisbeispiele namhafter Unternehmen, die sich in ihrer
individuellen Zielgruppenansprache teilweise signifikant -je nach Zielsetzung
oder Branche- unterschieden.
Wenn das werbetreibende
Unternehmen nun alle Rahmenbedingungen optimiert und alle Hürden aus dem Weg
geräumt hat, ist der Erfolg trotzdem noch längst nicht garantiert. Erst die
Beantwortung möglichst aller eventuell beim Adressaten auftretenden Fragen
lassen die Werbebotschaft im Gehirn und somit letztlich im Bewusstsein des
Konsumenten ankommen. Wenn dies mit dem „Mailing" gelingt und insbesondere auch
der Nutzen für den potentiellen Käufer überzeugend dargestellt werden kann, ist
die Wahrscheinlichkeit hoch, dass die Werbebotschaft sogar „im Herzen der Kunden
landet" - und nicht in der nächsten Papiertonne.